Chilenische Wurzeln, Berliner Heimat, Stuttgarter Tatort — Carolina Vera ist die Staatsanwältin im Tatort, die Stimme von Penelope Cruz im Kino und ganz entspannt im richtigen Leben. Ein Treffen mit der vielseitigen Schauspielerin.

Es dürfte nicht viele ARD-Sendungen geben, die beim Public Viewing mehrere tausend Menschen anziehen. Aber wenn der SWR ein paar Flanierschritte vom Dorotheen Quartier entfernt zum kollektiven Vorschauen des Stuttgart Tatorts ruft, dann ist der Schlossplatz voll.
Das liegt nicht zuletzt an dem gut eingespielten Ensemble Richy Müller, Felix Klare und eben Carolina Vera.

Seit 10 Jahren lösen die drei nun schon als Kommissare Lannert und Bootz und in der Rolle der Staatsanwältin Emilia Alvarez die TV-Kriminalfälle in der Landeshauptstadt. Damit sind sie zu einem Stück Kulturgut geworden - und zu willkommenen Besuchern am Sonntagabend in 10 Millionen und mehr deutschen Wohnzimmern.

„Es gibt eine bestimmte Qualitäts-Ebene, die der Stuttgart Tatort immer hält“, erklärt Carolina Vera den Erfolg. Das schätzt sie. Und das schätzen die Zuschauer. „Es ist eben keine Mischung aus ein bisschen Komödie, ein bisschen Crime und ein bisschen Love-Story.“ Es ist stringent Stuttgart. Und konsequent Krimi. 

TatortCAROLINA VERA


Für Carolina Vera ist das auch die DNA des Erfolgs: „Dass wir immer auf die Sache konzentriert sind. Wir erzählen nicht so viel über die Figuren, sondern über den Fall.“ Kein Wunder, dass man vor diesem Hintergrund selber ein wenig Ermittlungsarbeit leisten will. Und erfahren möchte, wie Carolina Vera denn so ist, wenn sie nicht Emilia Alvarez ist.

Ist sie ein modischer Mensch? „Anscheinend“ – ihre Antwort hat den Charme einer Gegenfrage. Es klingt wie: bin ich das wirklich? „Das ist mir nicht so bewusst, muss ich ehrlich sagen. Aber das höre ich immer wieder. Ich baue das selber nicht auf. Es ist einfach da und geschieht natürlicherweise.“ 

 
                   FRISCHZELLENKUR FÜR DEN STUTTGART TATORT


Die Dinge geschehen lassen. Natürlicherweise. Das scheint der in Chile geborenen Schauspielerin, die eigentlich Tänzerin, später dann Journalistin werden wollte, zu liegen: in der ursprünglichen Fassung des Drehbuchs zum Stuttgart Tatort hieß die Staatsanwältin noch Sabine, erinnert sie sich. Erst Carolina Vera machte aus Sabine Emilia. Und aus einer Rolle eine glaubhafte Figur. Mit Ecken und Kanten und einer Geschichte, die so gar nicht typisch schwäbisch ist – und zum Glück auch nicht so klingt.

„Die Leute hier wissen ja, wie das klingen muss“, lacht Carolina Vera. „Wenn wir jetzt schwäbisch sprechen würden, wäre das nicht mehr wahrhaftig“. Und Wahrhaftigkeit gehört für Carolina Vera untrennbar zum Schauspielberuf.

Nach Jahren mit dem „Schwaben-Columbo“ Bienzle fühlte sich all das wie eine Frischzellenkur für den Stuttgart Tatort an. Auch ihre Rolle. „Das geschah ja auch vor dem Hintergrund, die zahlreichen verschiedenen Kulturen, die es in Stuttgart gibt, zu portraitieren“, erzählt sie.

Dass Stuttgart als Stadt auch stattfindet und in die spannenden Fälle eingebettet ist und nicht nur als austauschbare Kulisse dient, das findet Carolina Vera wichtig: „Das muss repräsentativ für diese Stadt sein. Es ist schließlich der Stuttgarter Tatort und nicht der Baden-Badener.“

Pro Jahr entstehen zwei neue Episoden, made in Stuttgart. 4 Wochen Drehzeit im Schnitt sind es pro Folge. „Manchmal hat man dafür 6-Drehtage-Wochen, manchmal sind es nur 5-Tage-Wochen“, erzählt sie. Langweilig wird es Carolina Vera aber auch dann nicht, wenn sie nicht für den Stuttgart Tatort vor der Kamera steht:

So leiht Carolina Vera in deutschen Synchronisationen oftmals Penelope Cruz ihre Stimme – und einen unwiderstehlichen Akzent. „Ich bewege mich total gerne in verschiedenen Sprachen,“ erzählt sie akzentfrei, wenn man über die leichte Berliner Note hinweghört. Spanisch und Deutsch spricht sie fließend. „Und alle anderen Sprachen sind mir willkommen. Ich könnte hauptberuflich Sprachen sprechen“ sagt sie lachend.

Demnächst hört man Carolina Vera also bestimmt wieder in einem Hollywood-Film. Sieht sie im Kino. Oder begrüßt sie am Sonntagabend im eigenen Wohnzimmer. Und vielleicht trifft man sie ja auch mal wieder in Stuttgart oder im Dorotheen Quartier? 

 

alle Portraits: (c) T. Kluckert

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