Bildhübsch, hellwach und neugierig - was für das gezeichnete Gesicht des Dorotheen Quartiers gilt, das trifft auch auf die Künstlerin dahinter zu. Ein Atelierbesuch bei der Schwedin Lina Ekstrand.

Während der letzten Jahre hat sie in London und New York, in Schweden und Mexiko gelebt und für zahlreiche internationale Auftraggeber gearbeitet. Lina Ekstrand ist das Gesicht hinter dem Gesicht des Dorotheen Quartiers. Denn Lina ist Mode-Illustratorin und die Künstlerin, die mit ihrem unverkennbaren Zeichenstil auch dem DOQU ein Gesicht gegeben hat. Passend zur Jahreszeit hat Lina Ekstrand die Dame auf den Werbemitteln des Dorotheen Quartiers jetzt in ein Winterkleid gehüllt. Ein schöner Anlass, bei Lina nachzufragen, wie sie so etwas überhaupt macht.

„Wenn ich an die Dorotheen Dame denke, dann repräsentiert sie für mich eher den schönen Luxus des Einkaufens – zeitgemäß und gleichzeitig ganz klassisch - als eine reale Person,“ erzählt die gebürtige Schwedin. „Und jetzt in ihrem Weihnachts-Outfit, da ist sie für mich wie der gute Geist der alten Weihnachtszeit und nicht nur einfach eine winterlich angezogene Frau.“ Das lässt ahnen, warum in Linas Version von Weihnachten so viele klassische Details und winterliche Formen eine Rolle spielen.

Ihre Liebe zum Zeichnen hat Lina früh entdeckt, ihr Talent blieb allerdings erstmal unerkannt. So erinnert sie sich lachend daran, wie ihr Vater riesige Tüten voller Zeichnungen rausgeworfen hat, weil die ihr ganzes Zimmer vollgestopft hatten. 

Als Lina 20 ist, wird ihr plötzlich klar, dass es den Beruf Illustrator gibt – und dass das ja genau ihr Beruf ist. Dass sie ihn anfangs vor allem in ihrer Heimat Schweden ausübt, hält Lina Ekstrand für den perfekten Start: „Illustratorin in Schweden zu sein, ist etwas Großartiges. Die meisten Auftraggeber sind sehr strukturiert und viele Unternehmen sind es gewohnt, mit Illustrationen zu arbeiten. Der Schaffensprozess ist dort also vertraut,“ erzählt sie. Andererseits wünscht sie sich aber noch mehr Mut von ihren Landsleuten. Denn gerade in Japan oder Großbritannien, da sei man aus ihrer Sicht viel weiter, wenn es darum geht, Illustrationen auf eine spannende Art einzusetzen.

EIN ARBEITSPROZESS WIE AUS DEM BILDERBUCH

Und wie sieht der typische Arbeitsalltag einer Illustratorin aus? Lina lacht, denn typisch ist an ihrem Alltag im Moment gar nichts. Gerade erst aus dem Mutterschaftsurlaub zurück, versucht sie, von zuhause aus zu arbeiten. Mit einem 1-Jährigen sei das schon eine ganz besondere Herausforderung. Und trotzdem erzählt sie von einem Arbeitstag wie aus dem Bilderbuch: „Ich versuche immer, meinen Tag so zu beginnen, dass ich mich in die richtige Stimmung versetze und irgendwo meine Inspiration finde: indem ich vielleicht runter ans Meer gehe oder anfange, im Garten zu arbeiten. Meistens bin ich in der Natur. Wenn ich dann aber erstmal am werkeln bin, dann arbeite ich äußerst hart, mit wenigen Pausen. Vielleicht mal ein schnelles Mittagessen mit einem Buch in der Sonne.“ 

Was so verspielt klingt wie es nachher aussieht, ist manchmal aber auch echte Qual. An Tagen, an denen Lina so gar nicht vorankommt und das Blatt weiß bleibt. Und dann gibt es wieder die Augenblicke, wenn es plötzlich ‚klick’ macht: „Ich habe meine Grundidee und eine Art roten Faden und dann geht es oft ganz schnell. Dann skizziere ich jedes Objekt einzeln, bevor ich es koloriere und füge schließlich alles am Computer zu einem großen Ganzen zusammen.“

„Wenn ich für Magazine arbeite, dann passiert es ganz oft, dass ich mir zu den Illustrationen eine Geschichte ausdenke: wie würden die Charaktere im richtigen Leben miteinander umgehen? Welche Archetypen stecken dahinter? Ich liebe die Symbolkraft von Bildern und versuche deshalb, all meinen Illustrationen Botschaften mitzugeben. Solche, die man auf den ersten Blick mitbekommt, aber auch versteckte, kleine, die einen beim genaueren Hinsehen überraschen“ erzählt die vielseitige Künstlerin – und man kann vor diesem Hintergrund gar nicht anders, als ihre Bilder noch ein weiteres Mal zu betrachten, diesmal ganz genau. Denn auch in ihrer Arbeit für das Dorotheen Quartier stecken viele kleine Geschichten und Entdeckungen.  

Das – und ihr ausgeprägtes Gespür für Mode und Stil – sind Linas hohe Kunst. Eine Kunst, die mode- und stilgeprägte Auftraggeber wie Elle Magazine, Mykita Eyewear oder eben das Dorotheen Quartier für sich entdeckt haben. „Ich schätze mal, meine Illustrationen sind deshalb so gut für ein modisches Umfeld geeignet, weil sie zeitgenössische Geschichten erzählen. Und auch, wenn mich das Mode-Business selber nicht reizt – der Prozess, wie Mode entsteht, der vereint so viele Kunstformen, dass er unglaublich inspirierend wirkt. Vielleicht spiegelt sich das ja in meiner Arbeit wieder?“ 

Und dann hält Lina Ekstrand kurz inne, überlegt und lächelt: „Was ja eigentlich ein bisschen lustig ist,“ wie sie findet, „denn ich bin alles andere als eine Fashion-Person.“ Früher ja, als sie noch in London, Berlin oder New York unterwegs war. „Aber heute lebe ich mit meiner Familie ein eher ruhiges Leben auf dem Land,“ sagt sie und verabschiedet sich. Ans Meer, in den Garten, zu ihrem Sohn oder an den Zeichentisch zum einem neuen Gesicht mit einer neuen Geschichte.

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