Axel Preuß war Chefdramaturg, Festivalleiter, Schauspieldirektor. In Rostock und Lübeck, Berlin und Braunschweig, Heidelberg und Karlsruhe. Seit Sommer 2018 haben die Stuttgarter das Glück, dass Axel Preuß hier ist. Als Intendant der Schauspielbühnen.

Wie es sich für einen echten Hamburger gehört, kommt er mit dem Rad. Und wie es sich für einen gehört, der in Stuttgart nach einem Jahr ziemlich gut angekommen ist, hat dieses Rad einen kleinen Elektromotor. Für die Hügel und Steigungen der Stadt. Aber heute hat er es weder weit noch hügelig. Axel Preuß hat zwei Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe: Das Alte Schauspielhaus und die Komödie im Marquardt. 

Das Dorotheen Quartier liegt für ihn quasi auf seiner ganz persönlichen Hauptverkehrsader zwischen den beiden Spielstätten, die er leitet. „Ich kaufe gern hier ein“ erzählt er. „Mein Sofa stammt aus dem DOQU. Der neue Tisch in meinem Büro ist von hier.“ Kein Wunder, dass sich Axel Preuß hier ein bisschen wie zu Hause fühlt. Hier in Stuttgart sowie im Theatersaal.

„Mit 200.000 Besuchern pro Saison sind wir das Theater für die Stadt,“ sagt er.
„Wir spielen für diese Stadt und machen unser Programm für diese Stadt.“ Und die Menschen kommen in seine beiden Theater.

Seine beiden Theater – das sind zum einen die Komödie im Marquardt im Goldenen Saal des ehemaligen Hotels Marquardt, in der Bolzstraße. Zum anderen das Alte Schauspielhaus in der Kleinen Königstrasse. „Auf geweihtem Grund“ wie Axel Preuß sagt – und als Nicht-Stuttgarter gleich mal ein wenig Stuttgart-Nachhilfe gibt:

„Wo das Alte Schauspielhaus steht, hat Schiller seinen Dienst als Regiments-Medicus in der Legionskaserne verrichtet. Deswegen spielen wir da auch so gerne. Denn Schillers Spirit ist immer bei uns,“ lacht er. „Der Dichter der Freiheit hält seine schützende Hand über uns.“

Und hilft Axel Preuß vielleicht auch bei seinem Wunsch, dass auch die nachwachsende Generation erkennt, welchen Wert Theater hat. „Aber auch welchen Spaß und welche Freude man bei uns haben kann.“ Volksnah und publikumsnah nennt er das. „So, dass man zu uns kommen kann, ohne das Stück vorher studiert oder gelesen zu haben. Mit Anspruch und Qualität – aber voraussetzungslos.“

Um diese unmittelbare Theatersprache in die Stadt und zu den Leuten zu tragen, verlässt er mit seiner Truppe auch mal die Komfortzone der Theaterbühne. Und tritt bei seinem Nachbarn Dorotheen Quartier auf. „Wir haben hier schon Showcases gespielt mit unseren Produktionen. In der Sansibar und bei Breuninger zum Beispiel. Da hat sich aus der Nachbarschaft eine schöne Partnerschaft ergeben.“ 

EMOTIONEN ÜBER DIE RAMPE HINWEG

Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Simone Rethel, Richie Müller – wenn man durch das Programmheft der Schauspielbühnen blättert, könnte man meinen, man habe eine TV-Programmzeitschrift aufgeschlagen. „Ja es gibt durchaus bekannte Leute. Aber für unser Publikum ist es unterm Strich wichtig, dass das erstmal gute Schauspieler sind. Und dass die Geschichten, die sie erzählen, irgendwas mit ihrem Leben zu tun haben. Dass wir es schaffen, mit unserem Ensemble über die Rampe hinweg eine emotionale Brücke zu bauen. Denn das ist der Kern unserer Arbeit.“

Brücken bauen – etwas, das so vielleicht nur Theater schafft? Und nicht Netflix? Axel Preuß jedenfalls ist sich sicher, dass das Theater seine Relevanz nicht verlieren wird. „Weil wir live sind. Und weil Menschen zusammenkommen. Dieses Gefühl von Zusammensein und Gemeinsamkeit – das hast du nur zusammen.“

Und genau das sei es, was Menschen in Zeiten der Urbanisierung suchen. „Keiner bleibt in dem Ort, wo er groß geworden ist. Nur manche. Die haben das Glück ein Stuttgarter zu sein,“ lacht er und erzählt von seiner Familie: „Die Karawane Preuß reist durch Deutschland. Und wir schlagen unsere Zelte auf. Meine Kinder lernen jetzt schon, nicht in festen Strukturen aufzuwachsen.“ 

All das wird aber immer mehr dazu führen, dass Orte der Gemeinschaftsbildung und Gemeinschaftserfahrung einen enormen Wert besitzen. „Und da sind Theater ganz zentrale Orte dieser Erfahrung.“ Theater wie seine beiden. Mit Menschen wie ihm. 

Und auch dieser Nachmittag im Dorotheen Quartier war so eine Erfahrung von „zusammen“. Danke für den Besuch, Axel Preuß.

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