Große Highlights werfen ihre Schatten voraus. Die Premiere von ‚Don Pasquale’ an der Oper Stuttgart ist ohne Zweifel solch ein Ereignis. Ein Gespräch mit Thomas Koch, Direktor Kommunikation.

Den Katzensprung von der Oper ins DOQU nimmt Thomas Koch gerne. Und folgt damit der Einladung zu einem schönen Gespräch über die Stadt, ihre Menschen und die hohe Kunst, beides mit Klängen aus einem anderen Jahrhundert zu bespielen. Treffpunkt: sinnigerweise das OhJulia! Sinnig deshalb, weil die Zutaten für das neueste Stück der Stuttgarter Oper ebenfalls aus Italien stammen.

Eine traurige und bittere Komödie ist ‚Don Pasquale’. Ein Stück über einen Mann, der sein Leben lang auf Geld und die Macht über andere bedacht war. „Was ihn zu einem herrischen, reichen, alten Sack gemacht hat“ erzählt Thomas Koch lachend über ‚Don Pasquale’ - das seine Uraufführung 1843 in Paris hatte – und jetzt 175 Jahre später - am 25. März seine Premiere in der Stuttgarter Oper feiern wird. Das Datum hat sich Thomas Koch nicht nur von Berufs wegen im Kalender angestrichen: „Oper ist für mich wie eine kleine Seelenkur: wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, passieren magische Momente.“

Das typische Opernpublikum ist für ihn eher untypisch. Untypisch Oper und untypisch Stuttgart. „Das gefällt mir, dass sich bei uns jeder zuhause fühlen kann.“ Deshalb wünscht sich Thomas Koch auch, dass noch viel mehr Menschen Oper wagen – und sich auf die Reise einlassen: „Wenn ich mich für eine Geschichte interessiere, könnte mich ja auch das Stück in der Oper interessieren.“

2 + 175 JAHRE SCHAFFENSPHASE

Wenn ‚Don Pasquale’ im März Premiere hat, liegt ein langer Prozess hinter allen Mitwirkenden: vor 2 Jahren hat er begonnen. Die letzten Wochen waren das, was Thomas Koch „die dichte Phase“ nennt. Wenn alle Künstlerinnen und Künstler und Gewerke – ob Solisten, Orchester, Chor, Dramaturgie, Regie, Kostüm, Maske, Video, die Werkstätten, die Bühnentechnik, die Beleuchtung und viele mehr – wie verrückt an dieser neuen Produktion arbeiten. Bis zu den intensiven Endproben, wenn alle Elemente einer Aufführung endlich zusammenkommen, wie Teile eines überdimensionalen Puzzles.

Das sei auch für die Mitwirkenden der große Reiz: „Das ist wie eine Expedition in ein Werk, aber auch in die Seele eines Stückes.“ Als sehr intensiven Energieaustausch beschreibt er diesen Prozess.

„Es gibt zwar einen Plan, aber vieles entwickelt sich in der szenischen Arbeit erst im gegenseitigen Austausch während des Probenprozesses. Vielleicht entdeckt man dabei noch ganz neue Facetten einer Figur Das ist alles ein bisschen Christoph- Kolumbus-mäßig,“ erzählt der Kommunikations-Direktor bei Cappuccino und Croissant -  während sich das OhJulia!, das DOQU und die Stadt langsam angenehm füllen. 

„STUTTGART IST FÜRS BLEIBEN GEMACHT“

Diese Stadt, die es Thomas Koch irgendwie angetan hat: „Das ist keine Stadt mit Beliebigkeits-Faktor. Stuttgart ist fürs Bleiben gemacht.“ Dann schwärmt er von den tollen Möglichkeiten und den tollen Menschen, die Lust haben, hier aus dem Miteinander etwas Neues entstehen zu lassen. Als Beispiel nennt er die Zusammenarbeit zwischen Oper und Filmakademie, die zu ‚Don Pasquale’ einen Kurzfilm beigesteuert hat, der nun dem Publikum während der Ouvertüre erzählt, wie die Titelfigur zu dem Mann geworden ist, den wir zu Beginn der Oper erleben.  „Dieser Kooperationswille, der macht Stuttgart aus.“

„Stuttgart besitzt eine hohe Bezugsdichte, sowohl zwischen Institutionen als auch zwischen Menschen. Wie die sich hier kennenlernen und Lust haben, Projekte miteinander zu realisieren, das ist einzigartig. Auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Was alle dabei eint, sind Offenheit, Neugier und Leidenschaft.“ Thomas Koch ist sich sicher: rund um die Oper entsteht dadurch ein Kulturquartier, das auf andere weiterschwingt. Einen Katzensprung entfernt von der Oper, im Dorotheen Quartier sind diese Schwingungen sehr gut zu spüren. Nicht nur an diesem Tag, bei diesem Gespräch. 

www.oper-stuttgart.de/spielplan/2018-03-25/don-pasquale/

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