Enso, Sansibar & Eduard's - drei der fünf Gastronomien im Dorotheen Quartier stammen aus den gleichen Händen und tragen trotzdem eine ganz individuelle Handschrift. Wie geht das?

Ein Treffen mit den Machern: Dittel Architekten. Location: natürlich eines der drei Objekte, die das Stuttgarter Architekturbüro ausgebaut hat. In diesem Fall das Enso. Am Tisch: Frank Dittel, Geschäftsführer und Namensgeber, sowie Charlotte Welk, Projektmanagerin. Es stellt sich die spannende Frage: macht es das einfacher oder schwieriger, wenn man an einem Ort zwei Restaurants und eine Bar gestalten soll? „Ehrlicherweise ist das fast egal“, antwortet Dittel.

Denn sein Architekturbüro hatte ohnehin drei unterschiedliche Teams auf den Projekten. Jedes hat für sich entworfen. „Es sind ja auch drei ganz unterschiedliche Objekte: das eine ist eine Bar, das andere ein moderner Asiate, das dritte schließlich ist die Sansibar.“ Drei ganz eigene Themen, drei Zielgruppen – und trotzdem hat man das Gefühl, dass alle drei perfekt an diesen Ort passen. In dieses neue Stadtviertel. Insgesamt ist das Dorotheen Quartier für ihn ein guter Ort, meint Frank Dittel. „Man merkt, dass man sich hier mit dem Thema Stadt auseinandergesetzt hat. So ist diese Qualität überhaupt erst entstanden. Man hätte ja auch ein weiteres Center hinbauen können.“ Hat man aber nicht. Stattdessen hat man bewusst gesagt: „wir wollen hier den städtischen Raum entwickeln.“ Was in den Augen des Experten Dittel gut gelungen ist.

Auch seine Mitarbeiterin Charlotte Welk ist happy: „Es ist für uns als Architekten immer sehr schön zu sehen wie ein Projekt vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung wächst“, erzählt die verantwortliche Architektin. „Insbesondere bei Enso mussten im Lauf der Entwicklung ein paar Finessen berücksichtigt werden.“ Feng-Shui, zum Beispiel. Dazu hatte der Bauherr und Gastronom Phuc Nguyen Duc konkrete Wünsche, wie man bestimmte Dinge ausrichtet. Dinge, wie die Sushi-Bar beispielsweise. Nicht zuletzt dadurch hat das Enso seine besondere Atmosphäre bekommen.

Charlotte Welks Ansatz war es, asiatische Elemente sehr modern zu übersetzen, weg vom traditionellen Fernost-Look. „Deshalb findet man überall im Raum Elemente und Materialien, die einen Bezug zu Asien haben, ohne diesen Stil eins-zu-eins zu kopieren“, sagt sie. „Auch die Akustik hier funktioniert super“, wirft Frank Dittel ein. Er tut das ganz leise, in einem voll besetzten Enso an diesem Mittag. Wie um das Gesagte zu demonstrieren.

Sein persönliches Vorzeigeprojekt hier im Quartier: vielleicht das Eduard's. In drei Monaten vom Entwurf zur Fertigstellung. „Da gab es nur Entscheidungen und keine Verzögerungen.“ Dafür sind Dittel und sein Team zuerst mal der Frage nachgegangen, was eine Bar überhaupt ist und sagt. Eine Bar im ursprünglichen Sinne – so fanden sie heraus – ist nichts anderes als eine Barriere. Bis hierher und nicht weiter. Da darfst du dich hinstellen, dahinter nur der Wirt.

WIE MAN DIE BARRIERE EINER BAR AUFBRICHT

„Wir fanden das sehr antiquiert, weil Gastronom und Gast heute eher das Miteinander suchen.“ Also ist im Grundriss neben der Bar ein weiterer Körper entstanden. Dort sitzt man dem Bartender nicht mehr gegenüber, sondern quasi neben ihm. Und auch wenn es nicht über ihren Schreibtisch ging – Charlotte Welk mag das Eduard's sehr. Die gedeckten Töne, den Kupfer-Look, das Spiel mit hell/dunkel. „Das Eduard's wandelt sich im Lauf des Tages. Tagsüber sitzt du im hellen Bereich und abends tritt durch die Beleuchtung die Bar in den Vordergrund.“ Ein schöner Startpunkt ins Dorotheen Quartier sollte es werden – und ist es geworden.

Ganz anders nochmal die Aufgabenstellung beim dritten Dittel Projekt im Dorotheen Quartier: eine urbane Version der Sansibar. „Wir hatten für Breuninger ja bereits die Sansibar in Düsseldorf entwickelt“, erzählt Dittel, der in Stuttgart geboren ist und hier auch studiert hat. Auch die Stuttgarter Sansibar hat zum Ziel, die entspannte Atmosphäre von Sylt zu schaffen. „Visuell setzen wir aber auf etwas Eigenes. Ich würde sagen eine Mischung aus urban, rustikal und elegant.“

Er und seine Projektmanagerin Charlotte sind sich einig: Schön ist es geworden, hier im DOQU. Jedes Projekt für sich. Und wie um das zu bestätigen, tritt Phuc Nguyen Duc an den Tisch. Mister Enso. Die Architekten und der Auftraggeber. Phuc wünscht höflich guten Appetit und freut sich. Über seine Gäste, aber auch über deren Arbeit, die sie hier für ihn und die beiden anderen Objekte mit so viel Herzblut geleistet haben. 

Über DIA – Dittel Architekten

Die Expertise im Gastronomiedesign gründet sich auf die große Affinität des Architekten und die zahlreichen Projekte, die in diesem Bereich umgesetzt wurden. Seit der Gründung im Jahr 2005 entwickelt Dittel Architekten Konzepte für Restaurants, Cafés, Bars und Kantinen. Mit der Integration von Hotelarchitektur – und design befindet sich der Bereich Hospitality in kontinuierlichem Wachstum. Daneben konzipiert und realisiert das interdisziplinäre Team aus Innenarchitekten, Architekten und Kommunikationsdesignern Projekte im öffentlichen Sektor, im Einzelhandel und in Büro- und Arbeitswelten.

www.di-a.de
Copyright: Dittel Architekten GmbH
Fotograf: Martin Baitinger

Weitere Artikel

LIFESTYLE

Weihnachtsbummel im Lieblingsviertel. Jeden Samstag länger geöffnet.

Bekanntlich ist die Vorfreude ja die schönste aller Freuden. Und das entspannte Flanieren und Entdecken, das Stöbern und...

PEOPLE

DER DOQU X-MAS SOUNDTRACK

Auf der Suche nach „der Mutter aller Weihnachtslieder.“ Eine klangvolle Begegnung mit dem ausgewiesenen Musikexperten...

LIFESTYLE

Jeden Tag ein Türchen

Jeden Tag eine Inspiration aus dem DOQU.

PEOPLE

DAS GESICHT HINTER DEM GESICHT

Bildhübsch, hellwach und neugierig - was für das gezeichnete Gesicht des Dorotheen Quartiers gilt, das trifft auch auf...