Mit dem Dorotheen Quartier entsteht nicht nur ein ganz neues Stadtviertel, sondern auch eine ganze neue Architektur, wie der Architekt Stefan Behnisch im Gespräch verrät.

Was haben das John & Frances Angelos Law Center an der Universität von Baltimore, das Unilever-Haus in Hamburg, die Therme Bad Aibling und das Dorotheen Quartier gemeinsam? Antwort: ihre Architekten. Und dass jedes Projekt ein ganz besonderes ist. Jedes innovativ für seinen Zweck. Ein Anspruch, der typisch Behnisch ist. Aber ist typisch Behnisch auch typisch Stuttgart?

„Charakteristisch für Stuttgart ist ja eine etwas expressivere Architektursprache. Nicht dieses geometrisch-rationale, sondern fein ausformuliert. Das ist Stuttgart.“ Und das ist auch die Architektur des Dorotheen Quartiers. Verantwortlich dafür sind Behnisch Architekten, die sich der ‚Architektur mit Fokus auf nachhaltige Lösungen‘ verschrieben haben.

Nachhaltigkeit im weiteren Sinne hieß im Falle des Dorotheen Quartiers auch eingebettet sein in das Umfeld. So greifen die drei Gebäude sowohl den historischen Stadtgrundriss wie auch die heutige Umgebung auf. Sie sind unterschiedlich gestaltet und reagieren somit auf die Proportionen und Charakteristika ihrer unmittelbaren Umgebung: Das an die Markthalle angrenzende Gebäude nimmt deren Höhe auf, während das Haus an der Holzstrasse auf die dort vorherrschenden Bedingungen reagiert.

Der Behnisch Entwurf für das Dorotheen Quartier weitet die Sporerstraße auf und gibt Ihr in rhythmischen Abständen platzähnliche Situationen, die mit dem belebten Ort vor der Markthalle korrespondieren. Insbesondere jedoch wird eine bisher nicht vorhandene Sichtverbindung zwischen Markthalle und Karlspassage geschaffen.

Ein Ziel war es, einen Stadtraum ohne Rückseiten zu schaffen, mit attraktiven Fronten und unterschiedlichen Charakteren.

DAS GEHEIMNIS DER FÜNFTEN FASSADE

„Typisch für Stuttgart ist die Kessellage, man nähert sich der Stadt meist von oben,“ erzählt Stefan Behnisch. „So haben wir hier eine relativ fein gestaltete, gläserne Dachlandschaft geschaffen. Die Dachlandschaft als fünfte Fassade.“ Von vielen Blickpunkten der Stadt aus sind die Dächer des Dorotheen Quartiers nun zu sehen und geben der Anlage ihren unverwechselbaren Charakter.

Behnisch arbeitet auch sonst ungern nach vorformulierten Regeln und vermeidet bewusst Kopien früherer Gebäude in neuen Zusammenhängen. Stattdessen erarbeitet das Büro Behnisch Architekten am liebsten für die jeweilige Situation eine eigene Lösung. So sind Bauten entstanden, die zu einem vertrauten Bild, einem Wahrzeichen in ihrem Umfeld geworden sind. Jedes Behnisch Projekt ist auf seine Art innovativ – manchmal in gesellschaftlicher, manchmal in technischer Hinsicht, und im besten Falle beides.

Wie auch beim Dorotheen Quartier. „Das sind schon innovative Gebäude auch in technischer Hinsicht“ berichtet Behnisch. „Denn die Gebäude gehen verantwortlich mit unseren Ressourcen um.“

Ein weiteres Behnisch Credo ist es nämlich, dass Architektur für die Bedürfnisse der Menschen entsteht. „Wenn es uns also gelungen ist, an diesem Ort ein Stück Stadt zu schaffen, dann bin ich persönlich auch glücklich.“

Renderings & Foto: behnisch architekten
www.behnisch.com

Weitere Artikel

LIFESTYLE

Weihnachtsbummel im Lieblingsviertel. Jeden Samstag länger geöffnet.

Bekanntlich ist die Vorfreude ja die schönste aller Freuden. Und das entspannte Flanieren und Entdecken, das Stöbern und...

PEOPLE

DER DOQU X-MAS SOUNDTRACK

Auf der Suche nach „der Mutter aller Weihnachtslieder.“ Eine klangvolle Begegnung mit dem ausgewiesenen Musikexperten...

LIFESTYLE

Jeden Tag ein Türchen

Jeden Tag eine Inspiration aus dem DOQU.

PEOPLE

DAS GESICHT HINTER DEM GESICHT

Bildhübsch, hellwach und neugierig - was für das gezeichnete Gesicht des Dorotheen Quartiers gilt, das trifft auch auf...