Steiff und Stuttgart verbindet eine lange und spannende gemeinsame Geschichte. Aktueller Höhepunkt: der Steiff Concept Store im Dorotheen Quartier. Aber auch Spitzbuben kommen in dieser Geschichte vor. Und ein gestohlener Riesenteddy.

Ist der Steiff-Teddy nicht eigentlich ein Stuttgarter Kind? Richard Steiff, der Neffe der Unternehmensgründerin Margarete, besuchte während seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart oft den Nillschen Tiergarten am Herdweg. Dort gab es allerlei Tiere. Und als Hauptattraktion ein ausgestopftes Mammut.

Richard Steiff hatten es in dem beliebten Ausflugsziel aber vor allem die Bären angetan. Häufig traf man ihn am Gehege, wo er mit großer Leidenschaft die Braunbären zeichnete. Sein Skizzenbuch von 1894, heute im Steiff-Museum, zeigt die schönsten Exemplare. Seine Tante Margarete hatte aus ihrem kleinen Filzkonfektionswarengeschäft in Giengen an der Brenz damals schon ein florierendes Unternehmen gemacht. Das fabrizierte unter anderem Damenunterröcke für das bekannte Mode-Geschäft Chr. Siegle in Stuttgart.

Als Vollblutunternehmerin war Margarete Steiff ständig auf der Suche nach neuen Ideen, wie sie ihr Geschäft erweitern konnte.

Das erste Steiff-Tier war ein kleiner Elefant. Margarete Steiff fertigte das erste Exemplar um 1880 als dekoratives Nadelkissen. Es wurde ein großer Erfolg, jedoch weniger in der Nähstube als im Kinderzimmer: Binnen kürzester Zeit eroberte das auf gut Schwäbisch „Elefäntle“ genannte Spieltier die Herzen der Kinder. Über 5.000 dieser kleinen Elefanten wurden alleine 1886 verkauft.

Bis zum ersten Teddy dauerte es aber noch. Auf der Suche nach neuen Spielpuppen erinnerte sich Richard Steiff an seine Zeichnungen aus seiner Stuttgarter Zeit. 1902 entwickelte er den ersten Spielbären aus zotteligem Mohair, interne Bezeichnung 55PB. Die 55 stand für die Höhe in Zentimetern, P für Plüsch und B für beweglich. Auf der Frühjahrsmesse in Leipzig im darauffolgenden Jahr war das Interesse der Besucher verhalten. Bis kurz vor Schluss ein amerikanischer Einkäufer völlig begeistert gleich 3.000 Stück von dem kleinen Schmusetier orderte.

An der Namensfindung und dem internationalen Erfolg des Teddybären war schließlich ein amerikanischer Präsident maßgeblich beteiligt: Theodor Roosevelt, Spitzname „Teddy“, weigerte sich bei einem Jagdausflug, auf einen hilflosen angeleinten Bären zu schießen. Die Washington Post machte sich darüber in einer Karikatur lustig: Teddy Roosevelt mit einem kleinen Bären, eine bessere Werbung konnte es für das neue Produkt aus dem Hause Steiff nicht geben. Nur vier Jahre nach dem ersten Teddy waren fast eine Million davon verkauft.

Steiff-Teddys sind beliebt und begehrt. Vor allem in Stuttgart. Nicht umsonst ist zum Beispiel das Plüsch-Maskottchen des VfB ein Steiff-Tier. Die Liebe zum „Knopf im Ohr“ lockt auch manchen Langfinger: Dreiste Spitzbuben hatten im Mai 2015 in der Calwer Straße vor der damaligen Steiff-Galerie einen fast mannsgroßen Teddy-Bär einfach mitgehen lassen. Die Diebe muss das schlechte Gewissen jedoch arg geplagt haben, denn der Bär tauchte wenige Tage später – leicht lädiert – wieder auf. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Teddy-Klinik konnte er seinen angestammten Platz wieder einnehmen.

Wer sich heute in Stuttgart in Steiff-Produkte verlieben möchte, kann das ganz legal. Im Steiff Concept Store im Dorotheen Quartier öffnen Plüschtiere die Herzen. Nicht nur der Kinder, sondern auch all denjenigen, die sich einen Kindheitstraum im Herzen behalten haben.

„Für Kinder ist nur das Beste gut genug.“
Margarete Steiff

Erster Teddybär: 55PB, Freigestellt und in FarbeErster Teddybär: 55PB, historische Aufnahme

Margarete Steiff im RollstuhlEigentlich als Nadelkissen für die Nähstube gedacht, eroberte das „Elefäntle“ schnell die Herzen der Kinder und die Kinderzimmer

Richard Steiff, der Erfinder des Teddy-BärenDas Steiff-Museum in Giengen an der Brenz

Eröffnung des Steiff Concept Store im DOQUEröffnung des Steiff Concept Store im DOQU

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